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Regina Müller-Huschkes grob gedrehte Raku-Gefäße wirken zunächst schier unförmig und ganz ungestalt: Knorzig sich in die Höhe schraubende Röhrengebilde mit rauhen Oberflächen von unsauberer Farbigkeit, weißlich, gräulich, schwärzlich, mit unscharfen Konturen und unregelmäßigen Rändern, asymmetrisch durch und durch, wie in einem schnellen, aber kraftvollen Zug auf der Scheibe, ohne viel Rücksicht auf die Form in Schwellungen und Einziehungen hochgetrieben – alles andere als schön. Freilich: Dieser erste Eindruck täuscht – die Rohheit dieser Arbeiten ist wohlbedachtes Programm, ihre vermeintliche Formlosigkeit nur scheinbar, die Nuancierung ihrer Wandungen wunderbar. Regina Müller-Huschke bedient sich der Raku-Brenntechnik, einer aus Japan stammenden Niedrigbrandtechnik. Anders als der modischen Anverwandlung der auch in Deutschland seit den 70er Jahren sich verbreitenden Brenntechnik geht es Regina Müller-Huschke aber nicht um eine billige Japanisierung ihrer Keramik; ihr geht es allein um die auf keine andere Art zu erzeugende Subtilität der Oberflächen, dieser delikaten Mischung aus brutaler Grobheit und feinster Nuancierung. Dem zugleich wilden und zarten Charakter dieser Oberflächen mit ihrem uneinheitlichen Glasurauftrag, der immer wieder das Schwarz des groben Scherbens bloßlegt, korrespondieren die urtümlichen Formen: Mögen sie auch die Spuren ihrer Herstellung auf der Drehscheibe ungeglättet zeigen und eigentümlich gestaltlos erscheinen, folgt ihr Bauprinzip gleichwohl einer kalkulierten Gliederung in Fuß, Körper und Abschluß, die sich durchaus an klassische Gefäßformen, beispielsweise die Kalebasse, den Albarello, anlehnt und auch hohen Gefäßen eine gute Standfestigkeit verleiht. Regina Müller-Huschkes Arbeiten sind in ihrem Widerspruch gegen jeden vordergründigen Schönheitsbegriff eine ästhetische Gratwanderung: Sie verlangen vom Betrachter ein besonderes Sensorium, eine ästhetische Empfindsamkeit, die diese gefäßkeramische Art-brut zu genießen gelernt hat.
Walter Lokau, KeramikMagazin 2004 |
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